Heilstättenschule Salzburg

Jedes Kind und jeder Jugendliche kann in die Lage kommen, sich einem Krankenhausaufenthalt unterziehen zu müssen. Dort kommt es zunächst zur Sorge um den Gesundheitszustand und, wenn der Aufenthalt länger dauert, auch zur Sorge um die weitere Schullaufbahn.


Was ist die Heilstättenschule?
Die Heilstättenschulen in Österreich sind Schulen für stationär und tagesklinisch aufgenommene Kinder und Jugendliche in Krankenanstalten.
Jedes Kind und jeder Jugendliche hat ein Recht auf Bildung und Unterricht entsprechend seiner körperlichen, geistigen und psychischen Verfassung. Da Kinder und Jugendliche durch den Krankenhausaufenthalt nicht in der Lage sind, die Herkunftsschule zu besuchen, muss die Schule zu den Schülerinnen und Schülern kommen. Dies ist die zentrale Aufgabe der Heilstättenschulen.


Geschichte der Heilstättenschule Salzburg
Nach ersten unterstützenden schulischen Maßnahmen wurde im Jahr 1970 begonnen, schulpflichtige Patientinnen und Patienten des Kinderspitals und der Kinderchirurgie im Landeskrankenhaus Salzburg während ihres Spitalaufenthaltes zu unterrichten. Zwei Lehrerinnen wurden dafür eingesetzt. Im September 1973 wurde die „Öffentliche Heilstättenschule für Knaben und Mädchen am Landeskrankenhaus Salzburg" mit drei Klassen errichtet. Heute hat die Heilstättenschule Salzburg 12 Klassen an fünf verschiedenen Standorten im Bundesland Salzburg.


Gesetzliche Grundlagen
Gesetzlich geregelt werden die Heilstättenschulen in Österreich in zwei Bestimmungen im Schulorganisationsgesetz (SchOG), BGBl.Nr.242/1962 idgF:
§25 (4) SchOG: In Krankenanstalten und ähnlichen Einrichtungen können für schulpflichtige Kinder nach Maßgabe der gesundheitlichen Voraussetzungen Klassen...eingerichtet werden. Unter der Voraussetzung einer entsprechenden Anzahl solcher Klassen und Kurse können auch „Heilstättenschulen" eingerichtet werden.
§27 (1) SchOG: Die Zahl der Schüler in einer Klasse in einer Sonderschule.......für schwerhörige Kinder und einer Heilstättenschule darf 10......nicht übersteigen.
Im Verordnungsblatt des Landesschulrates für Salzburg vom 19. September aus dem Jahr 1977 ist die Zusammenarbeit der Schulen mit der Heilstättenschule an den Landeskrankenanstalten Salzburg festgehalten (Nr.103, Zl.: AD-4023/11-77).


UNESCO Charta für Kinder im Krankenhaus
In der Generalversammlung der Europäischen Vereinigung der Krankenhauslehrer (H.O.P.E.) in Barcelona vom 20. Mai 2000 wurde die Charta der Schulrechte des kranken Kindes verabschiedet (www.hospitalteachers.eu):
1. Jedes kranke Kind und jeder Jugendlicher hat das Recht auf Unterricht im Krankenhaus oder zu Hause, selbst wenn die Behandlung nicht im eigenen Land stattfindet.
2. Ziel des Unterrichts für kranke Kinder und Jugendliche ist die Fortführung von Bildung und Erziehung und das Aufrechterhalten ihrer Stellung als Schüler.
3. Die Krankenhausschule fördert die Gemeinschaft von Kindern und Jugendlichen und normalisiert den Alltag. Krankenhausunterricht kann als Klassen-, Gruppen- oder Einzelunterricht organisiert werden und auch am Krankenbett stattfinden.
4. Krankenhaus- und Hausunterricht müssen, in Abstimmung mit der Herkunftsschule, den Bedürfnissen und Fähigkeiten kranker Kinder oder Jugendlicher angepasst werden.
5. Lernort, Lernumwelt und die Lernhilfen müssen den Bedürfnissen kranker Kinder und Jugendlicher entsprechen. Kommunikationstechnologien sollen auch genützt werden, um das Gefühl der Isolierung zu vermeiden.
6. Der Inhalt des Unterrichts umfasst mehr als den formalen Lehrplan und enthält auch Inhalte, die aus besonderen Bedürfnissen durch Krankheit und Krankenhausaufenthalt erwachsen. Eine Vielzahl von Unterrichtsmethoden und Ressourcen soll genutzt werden.
7. Die Kliniklehrer und die Lehrer für Hausunterricht müssen qualifiziert sein und Fortbildung erhalten.
8. Die Lehrerinnen und Lehrer kranker Kinder und Jugendlicher sind vollwertige Mitglieder des multidisziplinären Pflegeteams. Sie sind auch die Verbindung zwischen der Krankenhauswelt des Kindes oder Jugendlichen und seiner Herkunftsschule.
9. Die Eltern müssen über das Recht ihres kranken Kindes oder Jugendlichen auf Schulunterricht informiert sein, ebenso über das Unterrichtsprogramm. Sie sind als aktive und verantwortliche Partner zu betrachten.
10. Die Integrität des Kindes oder Jugendlichen als Person ist zu respektieren. Das schließt die Wahrung der Schweigepflicht ein und den Respekt vor persönlichen Überzeugungen.


Aufgaben und Ziele der Heilstättenschule – ein doppelter Bildungsauftrag
Das wichtigste Ziel aus schulischer Sicht ist es, den Schüler*innen den Wiedereinstieg in ihre Herkunftsklasse zu erleichtern, oder einen Klassen- oder Schulwechsel vorzubereiten, und ein Wiederholen der Schulstufe nach Möglichkeit zu vermeiden.
Aus heilpädagogischer Sicht ist das wichtigste Ziel, das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen so zu stärken, dass sie die schulischen Anforderungen bewältigen können. Dabei gilt es die Kinder und Jugendlichen genau zu beobachten, um verborgene Ängste, Wahrnehmungs-oder Lernschwächen zu erkennen und sie gemeinsam mit ihnen in geeigneter Form zu bearbeiten.
Neben diesen beiden Hauptzielen gibt es eine Reihe anderer Ziele:

  • Vermittlung des Lehrstoffes
  • Individuelle Gestaltung des Unterrichts
  • Beziehungsarbeit
  • Normalität – Wichtiger Beitrag zur Gesundung
  • Feste und Feiern
  • Pädagogische Diagnostik
  • Kontakt zur Herkunftsschule
  • Neue Medien
  • Leistungsfeststellung
  • Beratung
  • Zusammenarbeit mit Schulen und Institutionen

Gerade die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen beteiligten professionellen Berufsgruppen ist auch ein Herzstück der Arbeit an der Heilstättenschule Salzburg. Dabei geht es um Beratung und Begleitung auf verschiedenen Ebenen mit allen an der Genesung der Patient*innen beteiligten Berufsgruppen: Ärzt*innen, Personen des Pflegeteams, Therapeut*innen aus allen Bereichen, Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen und natürlich unseren Lehrer*innen.
Die beste Lösung für jedes einzelne Kind, jede Jugendliche und jeden Jugendlichen wird gemeinsam gesucht und mit allen Kräften verfolgt.


Standorte der Heilstättenschule in Salzburg
1.) Landeskrankenhaus
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der PMU
Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Tel.: +43 5 7255 – 26220
Fax: +43 5 7255 – 26382
mailto: heilstaettenschule@salk.at
Im Landeskrankenhaus gibt es drei Heilstättenklassen, wobei in zwei Klassen reiner Gruppenunterricht stattfindet. Die Kinder und Jugendlichen dieser Klassen kommen von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der PMU: der Abteilung für Jugendmedizin, sowie des Departments für Psychosomatik.
Gruppen- als auch Einzelunterricht übernimmt die Bettenlehrerin, sowohl in der dritten Klasse, als auch individuell am Krankenbett. Die Kinder und Jugendlichen dieser Klasse kommen von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie der PMU und von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der PMU: der Abteilung für Neurorehabilitation, der Abteilung für Onkologie und der Abteilung für Jugendmedizin.
Unterrichtet werden die Kinder und Jugendlichen von einer Lehrerin der Neuen Mittelschule, einer Volksschullehrerin und einer Sonderschullehrerin. Die Direktion der Heilstättenschule Salzburg befindet sich ebenfalls im Landeskrankenhaus.


2.) Christian-Doppler-Klinik
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der PMU
Ignaz-Harrer-Straße 79
5020 Salzburg
Tel.: +43 5 7255 – 34224
Fax: +43 5 7255 – 34302
mailto: cdk-heilstaettenschule@salk.at
Die Heilstättenschule in der Christian-Doppler-Klinik führt drei Klassen. In die eine Klasse kommen Kinder und Jugendliche von der Tagesklinik, in der zweiten und dritten Klasse werden Kinder und Jugendliche unterrichtet, die stationär aufgenommen sind.
Das Lehrer*innenteam besteht aus fünf Lehrer*innen der Neuen Mittelschule und einer Volksschullehrerin.


3.) Institut für Heilpädagogik
Klessheimer Allee 81
5020 Salzburg
Tel: +43 662 433091 - 55 Fax: +43 662 433091 – 40
mailto: heilpaed@salzburg.at
Während ihres stationären Aufenthalts am Heilpädagogischen Institut werden Schüler*innen in Kleingruppen in zwei Klassen unterrichtet. Das Lehrer*innenteam besteht aus einem Lehrer der Neuen Mittelschule und drei Volksschullehrer*innen.


4.) Kardinal Schwarzenberg Klinikum
Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin
Kardinal Schwarzenbergplatz 1 5620 Schwarzach im Pongau Tel: +43 6415 7101 - 3330 Fax: +43 6415 7101 – 3229
mailto: schwarzach-heilstaettenschule@ks-klinikum.at
Die Heilstättenschule im Kardinal Schwarzenberg Klinikum befindet sich im dritten Stock der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin. Dort werden in zwei Klassen schulpflichtige Kinder und Jugendliche der Regenbogen-Station und der Panorama-Station bei längeren stationären Aufenthalten in Kleingruppen unterrichtet. Das Lehrer*innenteam besteht aus einer Sonderschullehrerin, und zwei Lehrer*innen der Neuen Mittelschule.


5.) Kinder- und Jugend- Reha Leuwaldhof
St. Veiter-Straße 48a 5621 St. Veit im Pongau Tel: +43 6415 50300 – 6600 oder 6601
mailto: heilstaettenschule-leuwaldhof@reha-stveit.at
Der Leuwaldhof ist Österreichs erste Kinder- und Jugend-Rehabilitation für onkologische Patientinnen und Patienten mit Familienorientierung und für Kinder und Jugendliche mit Stoffwechsel- und Verdauungstrakterkrankungen. Am Leuwaldhof werden schulpflichtige Kinder und Jugendliche während ihres
drei bzw. vierwöchigen stationären Aufenthaltes von einer Lehrerin der Neuen Mittelschule und einer Volkschullehrerin, in zwei Klassen, unterrichtet.
Für unsere Lehrer*innen der Heilstättenschule ist es sehr wichtig einen guten Kontakt zur Herkunftsschule zu halten. Der aktuelle Lernstoff wird, nach dem Erhalt der Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten, von den Herkunftsschulen zur Verfügung gestellt und mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und gefestigt.
Bei uns können in Absprache mit der Herkunftsschule Prüfungen, Tests und Schularbeiten durchgeführt werden. Korrigiert und benotet werden diese von den Herkunftsschulen, die auch die Schulnachrichten und Zeugnisse ausstellen. Wenn Schüler*innen mindestens zehn Wochen vor Semesterende oder Schuljahresende die Heilstättenschule besuchen, wird nach Absprache mit der Herkunftsschule, der Notenvorschlag der Heilstättenschule übernommen.
Eine Schulbesuchsbestätigung und ein Pädagogischer Bericht werden an die Herkunftsschule geschickt.
Der Unterricht an den einzelnen Standorten orientiert sich am individuellen Leistungsstand der Schüler*innen und nimmt Rücksicht auf deren Belastbarkeit, individuelle Bedürfnisse und spezielle Situationen. Der Unterricht ist schularten- und schulstufenübergreifend. Die eigenen Schulsachen, wie Bücher und Hefte, werden für die Arbeit im Unterricht benötigt.
Heilstättenschule auf eine kurze Formel gebracht: eine besondere Schule für besondere Kinder und Jugendliche mit besonderen Lehrer*innen!
www.heilstaettenschule.salzburg.at

In Salzburg werden schulpflichtige Kinder und Jugendliche von Pädagog*innen der Heilstättenschule unterrichtet.

Für Schüler*innen der Oberstufe der Allgemeinbildenden höheren Schulen und der Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen übernimmt die Höhere Schule im Spital (HIS) mit Sitz bei den Herz-Jesu-Missionaren in Salzburg, den Unterricht (www.his-salzburg.at).
SD Dipl.-Päd. Markus SCHWARZ, BEd Direktor der Heilstättenschule Salzburg


Diese Seite verwendet Cookies. Bitte erteilen Sie Ihre Zustimmung, indem Sie auf OK klicken.  Mehr erfahren...
Ablehnen OK